Findet im Jahr 2021 die „Everything Rally“ ihre Fortsetzung oder folgt ihr jäher Absturz? – Teil I der Analyse

Source: moneytoday.ch

Autoren: Wanja Eichl und Elias Schuhmacher von Blackfort Investment Partners

«Use Signal». Dieser Tweet von Tesla-CEO Elon Musk anfangs Januar 2021, mit welchem er seinen Followern eine WhatsApp-Alternative vorschlagen wollte, hätte zu anderen Zeiten vermutlich überschaubare Auswirkungen gehabt. Doch in der gegenwärtigen Anlegerstimmung reichten diese beiden Worte, um den Aktienkurs der Firma Signal Advance in den folgenden Tagen teilweise bis zu 6300 Prozent steigen zu lassen.

In ihrem Kaufrausch übersahen die Anleger jedoch einen zentralen Punkt: Bei der Aktie, deren Kurs sie gerade in die Höhe trieben, handelte es sich nicht um diejenige des Messaging-Dienstes (dieser wird nämlich von einer Non-Profit-Organisation betrieben), sondern um diejenige eines US-Biotechnologie-Unternehmens aus Texas. Wie kommt diese euphorische Anlegerstimmung zustande? Kann sie fundamental begründet werden oder wird sie bald ihr Ende finden?

Neue Höchststände an den Aktienmärkten trotz Einbruch der Wirtschaftsleistung

Die Corona-Pandemie – das omnipräsente Thema des Jahres 2020 – führte zu einem beispielslosen Zusammenbruch der globalen Wirtschaft und deren Lieferketten. So lag das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) der USA im 2. Quartal rund 9% unter dem Vorjahreswert – ein Einbruch, wie es ihn in den letzten 70 Jahren nicht gegeben hat. Auch andere Volkswirtschaften verzeichneten historische Einbrüche ihrer Wirtschaftsleistungen (siehe Abbildung 1).

Ungeachtet dessen erklommen die weltweiten Aktienmärkte im Pandemiejahr neue Höchststände. Der S&P 500 Index sowie der Dow Jones schlossen am letzten Handelstag des Jahres 2020 mit neuen Rekordständen, der DAX sowie auch der Nasdaq lagen weniger als 1% unter ihren jeweiligen Höchstständen. Im Januar 2021 ging die Rally im selben Mass weiter. So stehen der Nasdaq und der S&P 500 per 21. Januar seit Jahresbeginn bereits wieder 4.0% bzw. 2.7% im Plus. Dabei beträgt die durchschnittliche Januarrendite der letzten 92 Jahre 1.2% (Yardeni Research).

Abbildung 1: Entwicklung der prozentualen Veränderung des realen BIP gegenüber Vorjahresquartal.
Daten per 06/2020. Quelle: FRED.

Zu einem gewissen Grad kann diese Divergenz dadurch erklärt werden, dass vor allem kleine, nicht an der Börse gelistete Unternehmen stark von der Corona-Pandemie getroffen worden sind. Bei den Firmen, welche die Aktienindizes treiben, handelt es sich meist um multinationale Konzerne, welche aufgrund ihrer Ressourcen und regionalen Diversifikation die Auswirkungen der Pandemie besser abfedern können.

Zentralbanken befeuern die „Everything Rally“

Ein weiterer Grund für die Abkopplung des Aktienmarktes von der zugrundeliegenden Realwirtschaft ist auf die Zentralbanken zurückzuführen. Mit ihrer expansiven Geldpolitik drücken sie seit Jahren das Zinsniveau. Dies treibt Investoren wiederum in risikoreiche Anlageklassen.

Die ultralockere Geldpolitik ging jedoch – entgegen der „klassischen Lehre“ – nicht mit einer Reduktion, sondern vielmehr einem Anstieg der Sparquote einher (siehe beispielhaft die in Abbildung 2 dargestellte US-Sparquote). Der sprunghafte Anstieg im 2. Quartal 2020 zeugt dabei von der erhöhten Unsicherheit von Privatpersonen.

Abbildung 2: Entwicklung der US-Sparquote und der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen.
Daten per 11/2020. Quelle: FRED.

Die Folgen dieser seit der Finanzkrise tendenziell steigenden Sparquote, eine Entwicklung, welche durch die Corona-Pandemie zusätzlich befeuert worden ist, sind steigende Vermögenspreise bei gleichzeitig stagnierenden oder gar geringfügig fallenden, konsumabhängigen Güterpreisen. Diese „Everything Rally“ ist in Abbildung 3 gut ersichtlich. So erreichten im Sommer 2020 Aktien- sowie Obligationen- und Goldpreise zur gleichen Zeit neue Höchststände – eine Konstellation, wie sie in den vergangenen 40 Jahren lediglich einmal vorkam: im Herbst 2007 kurz vor der globalen Finanzkrise.

Abbildung 3: Entwicklung des Aktien-, Gold- und Obligationenmarkts (indexiert per 31.12.2014).
Daten per 12/2020. Quelle: Refinitiv.

Die starken Kursgewinne der Aktienmärkte in den letzten Jahren führten zu immer höheren Bewertungen. So ist der amerikanische Aktienmarkt per Ende 2020 ungefähr 85% mehr wert als die zugrundeliegende US-Wirtschaftsleistung (siehe Abbildung 4). Es stellt sich somit die Frage, ob die Aktienmärkte noch weitere Luft nach oben haben.

Abbildung 4: Verhältnis US-Aktienmarkt zu US-BIP. Aktienmarkt: Wilshire 5000 Total Market Full Cap Index; BIP: nominales BIP, Q4/2020 BIP basierend auf Blue Chip Consensus.
Daten per 12/2020. Quelle: Refinitiv, FRED.

 

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